Unser Geburtsbericht

Eigentlich hatten wir eine Hausgeburt bei unserer Hebamme geplant. Dafür sind wir regelmäßig 100km zu den Vorsorgegesprächen gefahren, denn in unserer Gegend gibt es keine Hebammen mehr, die eine Hausgeburt begleiten. Als Sicherheit hatten wir uns eine Klinik in ihrer Nähe ausgesucht, denn zu den hiesigen hatten wir nicht das Vertrauen, dass wir dort gut aufgehoben wären.
Am Tag der Geburt war ich sogar noch zum Routinebesuch bei meiner Hebamme und wir verabschiedeten uns ganz normal, um uns in zwei Wochen wieder zu sehen. Als ich aus der Tür war spürte ich ganz leichte rhythmische Krämpfe und dachte mir noch gar nichts dabei, schließlich waren wir fünf Wochen vor dem errechneten Termin. Ich fuhr also munter die 100km nach Hause, hatte auf der Fahrt aber telefonisch Kontakt zu meiner Hebamme aufgenommen. Diese riet mir, abzuwarten und zu beobachten. Als ich zuhause ankam, verstärkten sich die Kontraktionen und ich fühlte mich auf dem Sofa am wohlsten, mit einer Wärmflasche an Bauch und Rücken. Ich begann mit der Wellenatmung, kam damit ganz wunderbar entspannt durch Wellen und Pausen. Mein Mann packte inzwischen hektisch die Kliniktasche, denn fünf Wochen vorm Termin hatten wir noch nichts vorbereitet – außer eine Liste, was zur Geburt alles in der Tasche sein soll. Meine Hebamme riet uns, die besagte Klinik aufzusuchen und somit fuhren wir abermals die 100km ins Krankenhaus. Unterwegs veratmete ich im Liegen weiter ganz entspannt die Wellen und schlief zwischendurch immer wieder ein. Am liebsten hätte ich das Baby im Auto bekommen, ich empfand
die Fahrt als viel zu kurz, ich wollte gar nicht in die helle, schrille Klinikatmosphäre wechseln, wo es im Auto doch so urgemütlich war. Haben wir dann trotzdem gemacht und ich war auch die folgenden zwei Stunden bis zur Geburt völlig tiefenentspannt und mein Körper tat seine Arbeit. Leider waren wir mit der diensthabenden Hebamme sehr unzufrieden, immer wieder mussten wir diskutieren und uns verteidigen, warum wir (wirklich unnötige Interventionen) nicht wollten. Unter der Geburt hörte ich mich immer wieder fragen: „warum denn jetzt noch eine Untersuchung, es geht doch eindeutig voran?“ Immer wieder wollte sie mich in eine liegende Position bringen und ich musste mehrfach sagen, dass ich das nicht möchte. Sie drohte mir richtig, z.B. dass sie sich gezwungen fühlt, mir die Blase auszudrücken, wenn ich jetzt nicht nochmal auf die Toilette gehe – da waren wir schon am
Beginn der Austreibungsphase. Unverständlich und Störend! Mein Mann wurde richtig wütend und hat mir kämpferisch zur Seite gestanden. Immer wieder musste er uns verteidigen, was wir der Hebamme sehr übel nehmen. Dennoch ging der Geburtsverlauf rasch voran, denn ich ließ mich dank sehr guter Vorbereitung mit Hypnobirthing, mit täglichem Anhören der Meditationen und Affirmationen nicht aus dem Konzept bringen und fühlte mich sicher. Mein Körper tat unbehelligt seine Arbeit. Dank der Wellenatmung bin ich ganz wunderbar durchgekommen und alles ging rasch und leicht voran. Die Austreibungsphase war zwar nicht schmerzfrei, aber alles fühlte sich gut und richtig an. Plötzlich war der kleine Mann da und lag mir auf der Brust, ist ein gesundes und starkes Menschlein und hat sich trotz seines frühen Starts ganz schnell erholt.

Judith

Januar 2019

2019-03-14T23:02:14+00:00 9. März 2019|Geburtserlebnisse|